Lieferengpässe belasten Teile der Industrie

Der Blick in den konjunkturellen Rückspiegel zeigt Erfreuliches: Das Schweizer Bruttoinlandsprodukt (BIP) übertraf im 3. Quartal 2021 das Vorkrisenniveau bereits wieder deutlich. Im Durchschnitt dürfte das BIP 2021 um 4,0 Prozent zugenommen haben, nach einem Einbruch um 2,4 Prozent in 2020. Der Ausblick für das kommende Jahr wird indes getrübt durch die gestiegenen Covid-Fallzahlen und die dagegen ergriffenen Massnahmen sowie durch globale Lieferkettenprobleme.

In der Industrie wird die Erholung nämlich durch Lieferengpässe gebremst: Zwei Drittel der von uns in Zusammenarbeit mit dem Fachverband für Einkauf und Supply Management procure.ch befragten Schweizer Einkaufsmanager geben an, dass sie aufgrund von Schwierigkeiten im Einkauf in den kommenden sechs Monaten Produktionsausfälle erwarten. Rund jedes fünfte betroffene Unternehmen musste deshalb sogar bereits wieder Kurzarbeit einführen.

In der MEM-Industrie zum Beispiel verringerten sich die Lager an Vorprodukten im September stark. Der Saldo zwischen Unternehmen, die ihren Lagerbestand an Vorprodukten als zu gross einschätzen, und denjenigen, die ihn als zu klein einschätzen, sank im September auf einen Tiefstwert von über –12 Prozent. Im Oktober und November verbesserte sich die Situation zwar leicht, gleichwohl scheinen die Lagerbestände nach wie vor gering zu sein. Die Exporte im 3. Quartal 2021 lagen aber trotzdem über ihrem Vorkrisenniveau.

Angesichts der Tatsache, dass die Nachfrage nach Gütern wegen der nach wie vor dominierenden Corona-Pandemie nur langsam abnehmen wird, dürfte die Nachfrage nach MEM-Exporten hoch bleiben. Es besteht jedoch das Risiko, dass die Produktivität infolge der Lieferengpässe leicht tiefer ausfallen wird.

Auch die Schweizer Uhrenexporte wuchsen im 3. Quartal 2021 um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Zu verdanken war dies der hohen Nachfrage in den wichtigen Exportdestinationen China, USA und Grossbritannien. In vielen europäischen Ländern hinkt die Nachfrage ihrem Vorkrisenniveau jedoch weiterhin hinterher. Nicht ganz unschuldig daran ist die geringere Reisetätigkeit vieler Asiaten, die sich früher im Auslandsurlaub mit Uhren ausstatteten und dies heute im eigenen Land tun. Daran wird sich in den nächsten Monaten nichts ändern. Deshalb dürfte Chinas Anteil an den gesamten Uhrenexporten auch künftig über dem Vorkrisenniveau verharren.

Die Exporte der Schweizer Pharmaindustrie stiegen im 3. Quartal 2021 auf einen neuen Höchstwert von knapp 26 Mrd. Franken. Fast ein Drittel des Gesamtwachstums der Schweizer Warenexporte im Vergleich zum Vorjahr war auf die positive Entwicklung der Pharmaexporte zurückzuführen, belief sich doch ihr Beitrag zum Gesamtwachstum von knapp 18 Prozent auf rund 5,5 Prozentpunkte. Seit Jahresbeginn hat sich ihr Wachstumsbeitrag damit stark erhöht. Wir gehen davon aus, dass die internationale Nachfrage nach Pharmagütern in den kommenden Monaten hoch bleiben wird, nicht zuletzt auch dank des Bedarfs an Impfstoffen. Die anhaltenden Lieferkettenprobleme und die momentan schwierige epidemiologische Lage bremsen zwar das Wirtschaftswachstum, wir gehen aber nach wie vor davon aus, dass sich die wirtschaftliche Erholung im Jahr 2022 insgesamt fortsetzen wird. Konkret prognostizieren wir ein BIP-Wachstum von 2,5 Prozent im kommenden Jahr.

Lagerbestände an Vorprodukten auf Tiefststand im September
MEM-Exporte ggü. Vorjahr in %, saisonbereinigt, und Saldo zwischen Unternehmen, die Lagerbestand an Vorprodukten als zu gross einschätzen, und solchen, die ihn als zu klein einschätzen


Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Exportwachstum dank China, USA und Grossbritannien
Veränderung Uhrenexporte ggü. Vorjahresquartal, nach Ländern, saisonbereinigt, und Gewichte der Länder im Jahr 2019


Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

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