Zahlungsfähigkeit deutscher Handelspartner in den Blick nehmen

Seit Mai gelten in Deutschland wieder die normalen Insolvenzpflichten. Unternehmen sollten ihre deutschen Geschäftspartner daher engmaschig kontrollieren.

Trotz der Corona-bedingt angespannten Wirtschaftslage ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2020 in Deutschland gegenüber dem Vorjahr nochmals um 15,5 Prozent auf 15 841 Fälle gesunken, meldet das
Statistische Bundesamt (Destatis). Neben zahlreichen staatlichen Stützungsmassnahmen ist dafür massgeblich die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verantwortlich. Unternehmen, die aufgrund der Pandemie wirtschaftlich in eine Notsituation geraten sind, mussten unter bestimmten Voraussetzungen erst einmal keine Insolvenz anmelden. Ende April 2021 ist diese Aussetzung endgültig ausgelaufen.

Seit Mai gelten nun wieder die normalen Insolvenzantragspflichten in Deutschland. Demnach müssen Unternehmen, die zahlungsunfähig oder überschuldet sind, wieder Insolvenz anmelden. Noch spiegelt sich die Rückkehr zur Antragspflicht zwar nicht in den Zahlen: Im Mai 2021 haben die deutschen Amtsgerichte laut Destatis 1116 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit knapp 26 Prozent weniger als im Vorjahresmonat gemeldet. Doch weisen die Statistiker des Amts darauf hin, dass sich die Auswirkungen des Endes der Aussetzung in den kommenden Berichtsmonaten zeigen werden.

Tatsächlich ist zu befürchten, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zügig zunehmen wird. Zuletzt erheblich eingetrübte Konjunkturerwartungen, wie sie das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung aufzeigt, könnten den Trend zu mehr Konkursen dabei noch beschleunigen.

Für Unternehmen mit deutschen Geschäftspartnern erscheint daher aktuell wichtiger denn je, deren Zahlungsfähigkeit genau in den Blick zu nehmen. So gilt es, die Bonität von Kunden und die wirtschaftliche Stabilität von Lieferanten eingehend zu prüfen. Dafür sollten Credit Manager ihre Kunden und Einkäufer ihre Lieferanten engmaschig kontrollieren. Dazu lassen sich Bonitäts- oder Kredit-Scores heranziehen. Diese Scores repräsentieren die Wahrscheinlichkeit, mit der Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können oder Insolvenz anmelden müssen. Sie werden von spezialisierten Dienstleistern bereitgestellt und basieren auf statistischen Modellen. Betrachtet werden Variablen wie beispielsweise Branche, Unternehmensgrösse, wichtige Bilanzdaten oder das Alter der Firma.

Damit bieten Scores eine wichtige Grundlage zur Beurteilung der Zuverlässigkeit von Geschäftspartnern und tragen so dazu bei, eigene Risiken konsequent zu kontrollieren. Ergänzend zu klassischen Scores und Ratings erweist sich gerade in der weiterhin unsicheren Corona-Lage als sinnvoll, weitere Faktoren in die Analyse einzubeziehen. Dazu zählen einerseits Unternehmens- und branchenspezifische Gefährdungssituationen, die sich aus dem regionalen Infektionsgeschehen und Handels- sowie Kontaktbeschränkungen ergeben, andererseits Effekte möglicher staatlicher Stützungsmassnahmen. Komfortable Komplettlösungen spezialisierter Datendienstleister wie etwa der Overall Business Impact von Dun & Bradstreet integrieren diese unterschiedlichen Risikofaktoren und bieten den jeweiligen Entscheidern in Unternehmen so eine umfassende Beurteilung der Bonität von aktuellen und potenziellen Geschäftspartnern.

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