Das Beste hat keinen Preis

Für die Gründer der Genfer Schokoladenmanufaktur Orfève sollte die Schweizer Schokoladeindustrie ihrem Mehrwert zuliebe den Uhrmachern nacheifern und ihre Exzellenz besser kommunizieren, ohne auf den Preis zu schielen.

Angesichts des starken Frankens kommen exportorientierte Unternehmen nicht darum herum, auf Exzellenz zu setzen: Die teuersten Produkte der Welt müssen die weltbesten sein. Wie bei den Uhrmachern: 2015 machten nur gerade 176 000 mehr als 15 000 Franken teure Uhren (Publikumspreis rund 40 000 Franken) über ein Viertel ihrer Exporte aus.1

In der Schokoladeindustrie liegen die Dinge völlig anders. Der Durchschnittspreis der 2020 exportierten Schokolade belief sich auf Fr. 6.42 und lag 7 Prozent unter jenem der hauptsächlich aus Deutschland, Frankreich und Holland importierten. Im Schweizer Detailhandel stieg der Durchschnittspreis für Schokolade zwischen 1983 und 2019 um nur 25 Prozent, während die Inflation 60 Prozent betrug. Anders gesagt: Ihr Preis sinkt seit mindestens vierzig Jahren.

Für ein Unternehmen wie das unsere, dessen Exportpreis pro Kilo zehnmal über dem Durchschnitt der Exporte liegt, mögen diese Indikatoren entmutigend sein. Gleichwohl ermutigen sie uns Tag für Tag, auf die Werte der Schweizer Exzellenz zu fokussieren: Sorgfalt, Präzision, Genauigkeit, Geduld, Verantwortung und Seriosität.

Wie in der Uhrmacherkunst unterscheidet uns das Know-how von den andern. Wir verteidigen die Exzellenz in unserem neuen Metier als Schokoladehersteller und gehen wie die Uhrenbauer weder beim Rohmaterial noch bei den Transformationsprozessen Kompromisse ein.

Die Schweiz hat es in der Hand, aus Schokolade das Beste zu machen. Berühmte Unternehmen haben dies längst unter Beweis gestellt, manche seit über hundert Jahren. Allerdings mit zu viel Bescheidenheit und, wie uns scheint, mit einer lähmenden Furcht vor dem Preisschild.

Uns bringen weder Preise noch Kosten aus der Ruhe: Wir veredeln den besten Feinkakao2 der Welt, arbeiten sorgfältig und gewissenhaft mit traditionellen Röst- und Conchiermethoden und wählen unsere Rezepte ihrer Einfachheit und Reinheit wegen aus.

Die Auswirkungen im Hinblick auf Ethik und Nachhaltigkeit weit über unsere Grenzen hinaus sind der springende Punkt dieses Qualitätsansatzes jenseits aller Vorzüge in Sachen Geschmack und Ernährung: Sorge tragen zum Feinkakao dürfte das beste Mittel sein, um die Arbeit der Kakaobauern langfristig zu sichern, ihren Boden zu erhalten und gegen die Missstände der Banalisierung ihrer Produktion anzutreten. Orfève exportiert zurzeit in drei Kontinente. Trotz unsäglicher zolltechnischer Hindernisse und enormer Schweizer Produktionskosten. Aber dank der Tatsache, dass Swiss Made auch bei Schokolade einen Wert darstellt, wenn jene, die sich darauf berufen, ihre Exzellenzansprüche ohne Rücksicht auf den Preis einlösen.

1  https://www.europastar.com/magazine/features/1004088555-watch-export-2015-the-slowdown-is-easier-at-the.html

2  Feinkakao macht weniger als 5 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion aus, während der entsprechende Anteil beim Kaffee inzwischen 50 Prozent beträgt.

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