Polen im Fokus: Chancen und Herausforderungen für Schweizer KMU

Die Weltwirtschaft befindet sich im Umbruch. Strategische Rivalitäten, geopolitische Spannungen und protektionistische Tendenzen prägen die internationale Handelsordnung. Sicherheitspolitische Überlegungen beeinflussen zunehmend wirtschaftliche Entscheidungen. Für exportorientierte Unternehmen bedeutet das: Lieferketten müssen neu gedacht, Risiken aktiv gemanagt werden.

In diesem Umfeld gewinnen verlässliche Partner in Europa an Bedeutung. Innerhalb der Europäischen Union (EU) als wichtigster Handelspartner der Schweiz rücken die Länder Mittel- und Osteuropas stärker in den Fokus. Besonders Polen bietet Chancen, aber auch Herausforderungen.

Polen: Dynamisch und strategisch positioniert

Polens Wirtschaft ist eine der am schnellsten wachsenden in Europa. Polen ist heute die sechstgrösste Volkswirtschaft der EU und gehört mittlerweile zu den 20 grössten weltweit. Mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2,9 Prozent und einer Arbeitslosenquote von nur 2,8 Prozent (2024) zeigt sich die Wirtschaft weiterhin robust. Seit dem EU-Beitritt 2004 hat Polen eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung durchlaufen: von tiefgreifenden Reformen in den 1990er-Jahren über die Integration in europäische Wertschöpfungsketten bis zur Rolle als regionaler Wirtschaftsmotor. Investitionen in Infrastruktur, Energie und Digitalisierung sowie die Position als Knotenpunkt zwischen Ost und West und als logistischer Hub für die Unterstützung der Ukraine unterstreichen die strategische Bedeutung des Landes.

Chancen und Herausforderungen für Schweizer Unternehmen

Polen bietet eine Kombination aus grossem Binnenmarkt, wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen und gut ausgebildeten Fachkräften. Besonders interessant sind die Sektoren Dienstleistung und Produktion, vor allem der IT- und der Tech-Sektor sowie erneuerbare Energien. Für KMU, die ihre Lieferketten resilienter gestalten wollen, kann Polen eine Option sein – sei es als Produktionsstandort, als Partner fürs Nearshoring oder zunehmend als Absatzmarkt. Gleichzeitig gilt es, die Komplexität der Geschäftstätigkeit, die regulatorischen Anforderungen sowie die polnische Bürokratie zu meistern, ebenso wie lokale Marktbedingungen und geopolitische Entwicklungen sorgfältig zu prüfen. Hinzu kommen immer stärker ausgetrocknete Arbeitsmärkte und hohe Energiekosten, die auch viele Schweizer Firmen betreffen.

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen Schweiz – Polen

Für die Schweiz ist Polen ein Handelspartner mit viel Potenzial: Wir sind der viertgrösste Dienstleistungspartner Polens, und Polen ist unser 13. Handelspartner im Warenhandel (2024). Schweizer Unternehmen haben rund 7,6 Milliarden Franken investiert und über 91 000 Arbeitsplätze geschaffen. Über 200 Schweizer Firmen sind in Polen aktiv: von ABB, das neben Produktionsstätten ein globales Shared Services Center betreibt, bis zur Zürich Versicherung, die in Krakau ebenfalls ein Dienstleistungszentrum für die weltweite Zurich-Gruppe unterhält. 

SECO: Wirtschaftsdiplomatische Unterstützung

Das SECO begleitet diese positive Entwicklung aktiv. Wir pflegen einen regelmässigen, institutionalisierten Wirtschaftsdialog mit Polen. Im Mai 2025 führte Bundesrat Guy Parmelin bilaterale Gespräche unter anderem mit dem polnischen Wirtschaftsminister – mit dem Ziel, günstige Rahmenbedingungen für Schweizer Unternehmen zu sichern und neue Chancen zu erschliessen. Ein Höhepunkt 2025 war die Schweizer Präsenz an der Innovationskonferenz Impact in Poznań, wo die Schweiz als Country-Partner auftrat. Mit einem Swiss House, Keynotes von führenden Persönlichkeiten und einem Business-Panel mit Schweizer CEOs wurde die bilaterale Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Innovation und nachhaltige Entwicklung sichtbar gestärkt. Darüber hinaus beteiligt sich die Schweiz mit dem Erweiterungsbeitrag: Zwischen 2019 und 2029 fliessen 320 Millionen Franken nach Polen. Damit werden Projekte in den Bereichen Städteentwicklung, Forschung und Innovation unterstützt und die bilaterale Kooperation vertieft.

Fazit: Chancen nutzen, Risiken managen

Polen ist kein Geheimtipp mehr, sondern ein etablierter Markt mit Potenzial. Wer heute investiert, profitiert von einer dynamischen Wirtschaft und einer strategischen Lage – muss aber geopolitische Risiken und regulatorische Anforderungen im Blick behalten. Für Schweizer KMU gilt: Netzwerke aufbauen, sorgfältig planen und die eigene Position in Europa stärken. Resilienz bleibt der Schlüssel zum Erfolg. Das SECO unterstützt Schweizer Firmen in ihren Bemühungen, neue Märkte zu erschliessen und Zugang zu den Behörden zu erhalten.