Schweiz – Vereinigtes Königreich Mind the Gap Strategy, Teil 2
Das britische Zollwesen wird unabhängig von der Europäischen Union (EU) durch die Zoll- und Steuerbehörde His Majesty’s Revenue and Customs (HMRC) geregelt. Seit dem Brexit im Januar 2021 verwaltet Grossbritannien seine eigenen Aussengrenzen, Zolltarife und internationalen Handelsbeziehungen. Gleichzeitig ist es nicht mehr Teil der EU-Zollunion und des Binnenmarkts.
Trotz des Handels- und Kooperationsabkommens, das Zölle auf die meisten Ursprungswaren weitgehend vermeidet, wurden seither umfassende Zollformalitäten, Grenzkontrollen und bürokratische Hürden eingeführt, die den Handel mit der EU spürbar belasten und verteuern.
Grossbritannien ist der fünftwichtigste Handelspartner der Schweiz
Die Schweiz und das Vereinigte Königreich haben nach dem Brexit ihre Beziehungen zunächst über ein Basishandelsabkommen geregelt, das sich stark am alten Abkommen von 1972 orientierte. Der Hauptfokus dieses ersten Abkommens konzentrierte sich primär auf den Warenhandel, während Dienstleistungen und andere Bereiche weitgehend fehlten.
Im Juli 2026 wurden die Verhandlungen über ein umfassend modernisiertes und erweitertes Freihandelsabkommen abgeschlossen. Es baut auf der Übergangslösung («Mind the Gap») vom Januar 2021 auf, weitet den bisherigen Fokus stark aus und deckt nun auch den Dienstleistungssektor ab.
Das Abkommen enthält Regeln zum Patentschutz, also Regeln zum Schutz von neuen Präparaten vor Nachahmerprodukten, sowie Bestimmungen für einfachere Arbeitsbewilligungen für Kurzeinsätze von Firmen. Ebenfalls wollen beide Seiten die Roaming-Gebühren für das Telefonieren aus dem jeweils anderen Land reduzieren oder sogar abschaffen. Im Wesentlichen sind zwei Bereiche von Bedeutung:
Dienstleistungen: Erstmals gibt es klare, nicht diskriminierende Regeln für den Freihandel im Dienstleistungsbereich.
Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass Dienstleister, etwa aus der Finanzbranche, für bis zu 90 Tage im Jahr visumfrei im jeweils anderen Land arbeiten dürfen. Britische Unternehmen können Mitarbeiter für bis zu fünf Jahre ohne vorherige arbeitsmarktliche Prüfungen in Schweizer Niederlassungen entsenden.
Zusammenarbeit: Damit wird der Austausch in Bereichen wie geistiges Eigentum, Innovation und Forschung gestärkt.
Beide Staaten sind nicht in der EU und setzen sich für offene Märkte ein. Im aktuellen geopolitischen Klima, das durch zunehmende Abschottung und Zölle gekennzeichnet ist, würden die Schweiz und Grossbritannien als dynamische und liberale Länder zeigen, dass man mit gemeinsamen Regeln den Handel noch optimieren kann.
Das bilaterale Handelsvolumen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich belief sich vergangenes Jahr auf 57,8 Mrd Fr. Insbesondere der Dienstleistungshandel soll durch das Abkommen laut britischen Angaben um jährlich knapp 8 Mrd. Fr. wachsen.
Als Exportnation ist die Schweiz auf einen bestmöglichen und hindernisfreien Zugang zu ausländischen Märkten angewiesen. Angesichts des zunehmenden Protektionismus und der geopolitischen Unsicherheiten sind solche Freihandelsabkommen für die Schweiz derzeit ein wichtiges Instrument für einen möglichst uneingeschränkten Marktzugang.







































