Neue Regierung in Deutschland positiv für den Euro

Das Jahr 2024 hat für den Euro mit deutlichen Verlusten geendet. Mit der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten und der Erwartung höherer Zölle der USA gegenüber Europa war die Stimmung in der europäischen Wirtschaft gedämpft. Zudem standen die beiden grössten europäischen Volkswirtschaften – Deutschland und Frankreich – ohne Regierung da, und als Folge dieser eingetrübten wirtschaftlichen Stimmung senkte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen stetig und kündigte für das Jahr 2025 weitere Zinssenkungen an. Ein Ende des Ukrainekriegs war zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht. Die Folge: Der Euro geriet unter Druck, und der EURUSD-Wechselkurs fiel zwischen Mitte 2024 und Mitte Januar 2025 von 1,12 auf 1,02.

Derzeit präsentiert sich die Lage in Europa ganz anders. Die wirtschaftlichen Kennzahlen haben sich seit Jahresbeginn insgesamt verbessert – wenn auch noch auf tiefem Niveau. Über Zölle auf europäische Güter wurde viel geredet, aber bisher sind sie aus­geblieben. Frankreich hat weiterhin keine stabile Regierung, jedoch das Budget für 2025 verabschiedet. Mit Blick auf den Euro haben wohl die deutschen Bundestagswahlen für die grösste Überraschung gesorgt. Das Wahlergebnis machte einerseits den Weg frei für eine 2-Parteien-Koalition, was sicherlich mehr Stabilität bringt als die vorherige 3-Parteien-Koalition. Andererseits haben sich die Parteien der politischen Mitte darauf verständigt, für einen Verteidigungsfonds grosse Summen mittels Neuverschuldung bereitzustellen. Aufgrund der sehr niedrigen deutschen Staatsverschuldung verunsichert dieses Thema die Märkte nicht. Diese Neuverschuldung dürfte sich eher positiv auf das Wachstum in Deutschland und insgesamt positiv auf den Euro auswirken.

Nachdem das Inflationsgespenst mit hohen Zinsen besiegt worden war, hat die EZB Mitte 2024 angefangen, das Zinsniveau stetig zu senken. Die Markterwartungen deuten darauf hin, dass die EZB bei jeder Sitzung bis zum Sommer die Zinsen weiter senkt – bis auf rund 2 Prozent. Das würde bedeuten, dass die EZB das Zinsniveau in einem Jahr etwa halbiert hätte. Die Theorie besagt, dass geldpolitische Änderungen nach rund vier bis sechs Quartalen ihre volle Wirkung in der Wirtschaft entfalten. Im aktuellen Fall, in dem die Zinsen nicht um 0,5, sondern um 2 Prozent gesenkt wurden, sind erste Folgen schon spürbar, und wir gehen davon aus, dass die europäische Wirtschaft sich nach mehreren Jahren des Nullwachstums in der zweiten Jahreshälfte und im Jahr 2026 weiter erholt. 

Das sollte es der EZB wie erwartet ermöglichen, die Zinsen ab Mitte 2025 stabil zu halten. Die US-Notenbank Fed hingegen hat seit Dezember aufgrund der vergleichsweise starken Wirtschaft im vierten Quartal eine Zinspause eingelegt. Wir rechnen mit weiteren Zinssenkungen der Fed im Sommer. Sollte die EZB ihre Zinssenkungen beenden und die Fed gleichzeitig wieder mit Zinssenkungen beginnen, würde das dem EURUSD-Kurs in der zweiten Jahreshälfte Auftrieb verleihen.

Das Währungspaar EURCHF wurde in den letzten Jahren vor allem von der schwachen europäischen Wirtschaft und dem Risiko des Ukrainekriegs fortdauernd weiter belastet. Demgegenüber hat sich die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit fortlaufenden Zinssenkungen gegen eine weitere Frankenaufwertung gestemmt. Die Entwicklungen der letzten Wochen (bessere EU-Wirtschaftsdaten, stabile deutsche Regierung und eine positive Entwicklung im Ukrainekrieg) haben den Abwärtstrend gestoppt. Solange die wirtschaftliche Erholung in Europa der EZB ein Ende ihres Zinssenkungszyklus ermöglicht, gehen wir von einer Seitwärtsbewegung bei EURCHF aus. Falls jedoch Zölle der USA gegenüber Europa die Wirtschaft wieder unter Druck setzen, rechnen wir mit einer weiteren Abwärtsbewegung.