Im Kreislauf zum Erfolg

Wir alle spüren es. Nach ein paar Jahrzehnten Anlauf wird die nachhaltige Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft unumkehrbar zu einem strategischen Erfolgsfaktor. Zentral ist dabei die Wachstumsfrage. Es ist so banal wie schwierig zu begreifen: Dauerndes Wachstum gibt es nicht. Punkt. Wir werden als Menschen ja auch nicht 500 Meter lang. In der Natur ist alles zyklisch organisiert, in Kreisläufen, mit systemischen Rückkoppelungseffekten, mit Ebbe und Flut, Vollmond und Neumond. Das ist das Erfolgsrezept. 

De-Globalisierung, De-Karbonisierung, Digitalisierung und Demografie werden uns über die kommenden Jahrzehnte begleiten. Diese Schlagwörter zeigen sich in der täglichen Arbeit. Wer kennt nicht unterbrochene Lieferketten, Material- und Personalknappheiten, wetterbedingte Produktionsausfälle, rasch ändernde Kundenbedürfnisse oder knifflige Investitionsentscheide in unruhigen Zeiten? 

In der Natur sind solche Umbau- und Regenerationszyklen normal. Seit Jahrtausenden wiederholen sie sich auch in der Geschichte der Menschheit. Vorteil: wir können uns an bewährten Eckpunkten orientieren. Das zeigt sich auf vier unterschiedlichen Ebenen.

1. Produktionseffizienz

Was unter Druck kommt, orientiert sich tendenziell gegen innen und das Zentrum hin. Bei einer Attacke durch Räuberfische formieren sich Kleinfische im dichten, wirbelnden Schwarm. In Krisen priorisieren Unternehmen geografisch angrenzende Wirtschaftsregionen und den überschaubaren Heimmarkt. Produktionsstandorte definieren sich nicht mehr primär über den Preis, sondern über stabile Qualität mit kontrollierbaren Strukturen und Prozessen.

Dies führt zu ineffizienteren Abläufen und steigenden Produk­tionskosten, zumindest in einer Übergangsphase. Zusätzlich verstärkend wirkt die Inflation – befeuert durch das seit über zehn Jahren unbeschränkte Gelddrucken und die Negativzinsen – mit auch kriegsbedingt steigenden Energie-, Nahrungsmittel- und Rohstoffkosten.

Systemische, tiefgreifende Innovation und neue Partnerschaften sind gefragt. Schein-Innovationen reichen nicht mehr aus. Wer die Produktionseffizienz entlang von Wertschöpfungsketten konsequent steigert – wie etwa die Bühler Group aus Uzwil mit der Nutzung von Materialnebenströmen – wird sich in der laufenden Neugestaltung der Wirtschaft erfolgreich positionieren können.

2. Wirtschaftlicher Umbau 

Es zeigt sich an allen Ecken und Enden: Der aktuell laufende Strukturwandel greift tief. Die historisch einmalige Entwicklungsphase seit den 1950er-Jahren ist zu Ende. Vor unseren Augen formen sich neue wirtschaftliche und geopolitische Realitäten. Es ist herausfordernd, die neuen Gewinner frühzeitig zu identifizieren – die meisten sind heute noch «Hidden Champions». 

ID Watch SA aus Genf hat die erste kreislauffähige Uhr lanciert. Mit recyceltem Stahl, Armbändern aus Naturmaterialien und konsequent regionalen Qualitätsprozessen prägen sie das neue Circular-Luxury-Segment.

Die Vögeli AG in Langnau, ein Familienbetrieb in vierter Generation, hat weltweit führendes Know-how bei natürlichen Cradle-to-Cradle-Druckereiprodukten aufgebaut. Ihre Verpackungslösungen werden in unterschiedlichsten Branchen eingesetzt: von der Unterwäsche über den Hipster-Drink bis zur feinen Schokolade. 

Und wer hätte vor ein paar Jahren darauf gewettet, dass «Schlafen as a Service» ein Erfolgsmodell wird? Die 1895 gegründete Elite Beds SA aus Aubonne hat das Bettmatratzengeschäft revolutioniert. Warum? Die hohe Qualität und Langlebigkeit ihrer Produkte hat die Firma fast ruiniert. Heute verkaufen sie ihren Kunden nicht mehr Matratzen, sondern Liegeminuten – und schliessen nebenbei ihren Materialkreislauf. 

3. Innerer Zusammenhalt 

In Krisen werden die Stimmen lauter, die Argumente bissiger, die Informationsabsender intransparenter. Polarisierende Meinungen nehmen zu und führen bis zur physischen Gewalt mit Bürgerkrieg und Krieg zwischen Nationen. Es scheint, dass wir Menschen diesbezüglich nicht lernfähig sind. 

Das hat direkte Konsequenzen für unternehmerische Entscheide. Die Pflege des inneren Zusammenhalts und der sozialen Integation wird für Firmen aus rein egoistischen Überlegungen heraus zu einer Kernaufgabe. Gewinnorientierte Ziele sind gleichwertig mit gemeinnützigen und sozialen Zielen zu ergänzen. 

Erfolgreiches Unternehmertum definiert sich nicht mehr nur über finanzielle Kennzahlen. Unerwartete Türen öffnen sich – plötzlich bieten sinnorientierte Schrumpfstrategien die grössten Wachstumspotenziale. 

4. Finanzierung der Transformation

Die Ausgangslage zur Finanzierung der kommenden Transformationsjahre ist gut: Die Schweiz verfügt über einzigartige Finanzkompetenzen, regional orientierte Strukturen und weltweite Firmen- und Netzwerkkontakte zum Benchmarking.

Die Fragen sind: wo setzen wir an? Braucht die Schweiz – ähnlich zur Idee vor zwanzig Jahren mit dem 500 Mio Franken Start-up Fund – die Vision eines 500 Mio Franken Circular Transformation Fund? Wie beschleunigen wir die Entwicklung neuer Finanzierungsinstrumente im Servitization-Bereich – so wie es die Stiftung BASE aus Basel bereits erfolgreich im Ausland umsetzt? Und wie strukturieren wir das Co-Investment in einem Projekt, als Zusammenspiel von kurzfristig gewinnorientierten Privatinvestoren und langfristig gemeinnütziger Philanthropie?Fazit: Wir wissen nie, was die Zukunft bringen wird. Gerade in herausfordernden Zeiten lohnt es sich zu überlegen, wie wir alle zu einem nachhaltig starken Wirtschafts- und Lebensstandort Schweiz beitragen können – mutig, kreativ, in neuen Partnerschaften.Was ist Ihre Meinung dazu?

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