Rosige Exportaussichten durch Ukraine-Krise eingetrübt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der Schweiz hat im 4. Quartal 2021 gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent zugelegt. Für das Gesamtjahr 2021 resultiert insgesamt ein BIP-Wachstum von 3,7 Prozent, sodass die hiesige Wirtschaftsleistung mittlerweile um 2 Prozent über dem Vorkrisenniveau zu liegen kommt. Die Binnenwirtschaft ist durch die Covid-19-Variante Omikron und die damit einhergehenden Einschränkungen erwartungsgemäss gebremst worden, jedoch deutlich schwächer als in den vorangegangenen Infektionswellen. Trotz Problemen in den Lieferketten nahm die Wertschöpfung in der Industrie dynamisch zu, was insbesondere der Chemie- und Pharmabranche (+4,9 Prozent) zu verdanken war.

Im Gleichschritt mit den gesamten Schweizer Warenexporten haben auch die Pharmaexporte im 4. Quartal 2021 einen neuen Höchststand erreicht. Dies trotz der Aufwertung des Franken gegenüber den Währungen wichtiger Abnehmer im gleichen Zeitraum. Pharmaexporte weisen nämlich eine geringe Preiselastizität auf, weshalb ihr Wert bei einer Frankenaufwertung jeweils nicht abnimmt. Ungeachtet der Wechselkurseffekte dürften sich die Pharmaexporte in den nächsten Monaten auf hohem Niveau halten.

Im Vergleich zum Vorquartal haben sich die MEM-Exporte im 4. Quartal 2021 zwar leicht verringert, sie verharrten aber auf hohem Niveau. Seit der ersten Covid-19-Welle im Frühjahr 2020 hat eine breit abgestützte Erholung stattgefunden. Im Vergleich zu Ende 2019 nahmen die Exporte in alle wichtigen Abnehmerländer zu. Die jüngste Covid-19-Welle wirkte sich einzig auf die Exporte nach Frankreich negativ aus. Wir erwarten, dass sich der Einfluss der Pandemie weiter abschwächen wird, was den MEM-Exporten zugutekommen sollte.

Im 4. Quartal 2021 erreichten die Uhrenexporte endlich wieder ihr Vorkrisenniveau. Mit fast Franken 5,6 Mrd. verzeichneten sie sogar den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen (der höchste Quartalswert wurde 2014 verbucht). Im Vergleich zum Vorkrisenniveau war das Wachstum am stärksten in den USA (+36 Prozent), in China (+22 Prozent), Grossbritannien (+14 Prozent) und den Niederlanden (+10 Prozent). Die hohen Inflationszahlen in Europa und in den USA könnten indessen die Konsumentenstimmung beeinträchtigen und das weitere Wachstum der Uhrenexporte in den nächsten Monaten ausbremsen.

Infolge des Einmarsches Russlands in die Ukraine bestehen für die Schweiz jedoch konjunkturelle Risiken. Dementsprechend halten wir an unserer bisherigen BIP-Wachstumsprognose von 2,5 Prozent für das laufende Jahr fest.

Die direkten Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts auf die Schweizer Exporte schätzen wir als eher gering ein, denn die Handelsverflechtungen der Regionen sind schwach. Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) entfallen nur rund 1,2 Prozent des Schweizer Exportvolumens auf Russland, noch geringere 0,2 Prozent auf die Ukraine. Im Gegensatz dazu ist die Rolle Russlands als wichtiger Rohstoffexporteur mit Blick auf die Auswirkungen des Konflikts wesentlich entscheidender als der reguläre Aussenhandel.

Wegen des Einmarsches Russlands in die Ukraine hat sich jedoch die konjunkturelle Lage in Europa eingetrübt, insbesondere aufgrund der weltweiten massiven Verteuerung von Erdgas und Öl. Sollten sich diese Preisentwicklungen als nachhaltig erweisen, könnte eine konjunkturelle Abschwächung in Europa die Nachfrage nach Schweizer Exporten mindern.


Pharmaexporte erreichen im 4. Quartal 2021 neuen Höchststand Warenexporte ohne Pharmaindustrie sowie Pharmaexporte, in CHF Mrd., saisonbereinigt 
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Wichtigste Abnehmer haben Vorkrisenniveau übertroffen MEM-Exporte, saisonbereinigt, indexiert (Dez. 2019 = 100), 3-Monats-Durchschnitt
Quelle: Eidgenössische Zollverwaltung, Credit Suisse

Swiss Export Partners

Strategic Partner

Network Partner