Schweizer Geschäftsreisende in Deutschland

Die kulturellen Parallelen zwischen Deutschland und der Schweiz sind gerade in der deutschsprachigen Schweiz offensichtlich. Wir in der Schweiz stellen jedoch fest, dass Deutsche die Eigenheiten der Schweiz und v.a. der Schweizerinnen und Schweizer bei geschäftlichen Terminen wenig zu berücksichtigen scheinen. Doch wie verhält es sich umgekehrt? Roland Birchmeier, CEO bta first travel, hat sich zu diesem Thema mit Momme Schröder, Geschäftsführer der Hamburg Süd Reiseagentur, unterhalten. bta first travel und die Hamburg Süd Reiseagentur sind Teil der ATPI Group, eines Zusammenschlusses führender Geschäftsreiseagenturen weltweit.

Wie werden Schweizer Geschäftsreisende von deutschen Geschäftspartnern empfunden? «Generell als sehr gut organisiert, ziemlich anspruchsvoll, qualitätsbewusst und fair», sagt Momme Schröder. «Der persönliche Umgang ist korrekt, verbindlich und in der Tonalität angenehmer als mit manchem deutschen Geschäftspartner. Verhandlungen führt ihr aber unterschiedlich – eine gute Atmosphäre, eine Basis des Vertrauens ist, so denke ich, dem Schweizer wichtiger als dem Deutschen.»

In der Schweiz entsteht oft das Gefühl, wir würden etwas belächelt – gerade aufgrund der für Deutsche niedlichen Sprache resp. des Akzents: «Das kann ich überhaupt nicht bestätigen – das ist letztlich eine Frage des Respekts, aber aus meinem Umfeld kenne ich das ‹Belächeln der Schweizer› definitiv nicht. Im Gegenteil: Viele Deutsche nehmen die schweizerische Färbung der gemeinsamen Sprache als solid und bodenständig wahr. Zumal wir ja auch wissen, dass die Schweiz viersprachig ist; denn beispielsweise mit den Westschweizern weichen wir oft auf Englisch als gemeinsamen Nenner aus, denn Französisch ist ja auch nicht gerade die Lieblingssprache vieler Deutschen», meint Momme Schröder mit einem Schmunzeln. «Aber ich denke, ein häufiger Fehler, der sich vermeiden liesse, ist folgender: Deutsche werden oft als hart und schwer zugänglich empfunden. Dem ist aber nicht so – nur, weil man in der Sache hart verhandelt, heisst das noch lange nicht, dass man sein Gegenüber nicht respektiert.»

Was sind die klassischen Missverständnisse? «Es kommt vor, dass einem beim dritten Drink nach dem Abendessen das Du angeboten wird, der deutsche Partner am nächsten Morgen zurück bei der Arbeit aber wieder auf das förmliche Sie wechselt. Diese Unterscheidung wird gemacht. In Deutschland wird einem schon vermehrt das Du angeboten, aber eine ausgesprochene Duz-Kultur, wie ich sie in der Schweiz wahrnehme, haben wir noch nicht. Zudem sind auch Titel deutlich wichtiger. Also lieber ein ‹Doktor› zu viel verwenden.»

Was ist denn ein No-Go für Deutsche? Nach längerem Überlegen antwortet Schröder: «Natürlich haben wir aufgrund unserer Geschichte im letzten Jahrhundert ein Thema, welches in Deutschland nach wie vor sehr ernst genommen wird – und das absolut zu Recht. Aber ich habe noch nie erlebt, dass dieses Thema in einem Business-Kontext aufgegriffen wurde.» Und wie kann man in Deutschland punkten? «Seid einfach authentisch, zeigt aufrichtiges Interesse am Gegenüber. Und schmiert niemandem Honig um den Mund. Das erkennen wir schnell und mögen es nicht so sehr», führt er lachend aus.

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