Risiken besser abschätzen – mit Hightech und Tradition

Japan ist so etwas wie ein Versuchslabor. Nirgendwo auf der Welt ist die Gesellschaft älter, der Altersmedian liegt bei 48,4 Jahren. Das bringt eine gewaltige Herausforderung mit sich: Denn die vielen älteren Menschen müssen gepflegt werden, doch fehlen zugleich Hunderttausende an Pflegekräften. Aus dieser Not aber macht das Land eine Tugend. Zunehmend übernehmen auch Roboter, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz (KI), die Arbeit der menschlichen Pfleger.

Neben China und den USA hat auch Japan erkannt, welche Beiträge KI in vielen Bereichen des Lebens leisten kann. Das gilt zum Beispiel auch für die Risikoeinschätzung von Unternehmen. Stellen Sie sich vor, Sie möchten das Risiko von Firmen, mit denen Sie Geschäfte machen, abschätzen. Mit traditionellen Risikomodellen können Sie anhand von Bilanzdaten, Zahlungsströmen oder volkswirtschaftlichen Faktoren die finanzielle Stabilität von Unternehmen zwar zuverlässig messen, allerdings begrenzen solche klassischen Variablen zugleich die Aussagekraft.

Durch KI-gestützte Modelle Risiken frühzeitig erkennen

So werden viele dieser Daten erst zeitlich verzögert gemeldet. Um ein wirklich aktuelles Bild von Risiken zu bekommen, braucht es die Ergänzung um möglichst zeitnahe Daten, wie die derzeitige Zahlungsmoral eines Unternehmens. Dafür betreiben spezialisierte Wirtschaftsauskunfteien Zahlungserfahrungspools, die tagesaktuelle Daten zur Einhaltung oder Verfehlung von Zahlungszielen einzelner Unternehmen, aber auch branchen-, regionen- und länderübergreifend transparent machen.

Dies kann Aufschluss darüber geben, wie ein Unternehmen, eine Branche oder eine Region dasteht. Insbesondere Veränderungen in den Zahlungsgewohnheiten können als Indikator dienen, um frühzeitig Risiken zu erkennen. Das heisst, mit der Einbeziehung bislang nicht quantifizierbarer oder weicher Daten, wie es moderne KI-gesteuerte Modelle zur Risikoeinschätzung ermöglichen, ist es möglich, frühzeitig Aufschluss über risikorelevante Entwicklungen bei Firmen zu bekommen.

Corona-Pandemie als Treiber KI-gestützter Risikomodelle

Dass dies zunehmend unerlässlich wird, hat sich nicht zuletzt in der Pandemie gezeigt. Da hatten wir es mit einer Art von Krise zu tun, für die keinerlei Vergangenheitsdaten vorliegen. Dennoch war es für die Risiko­bewertung von Unternehmen beispielsweise von Bedeutung, die psychosozialen Folgen auf die Bevölkerung und deren Auswirkungen auf unterschiedliche Geschäftsmodelle abzuschätzen. So stellte sich die Frage, ob die Folgen der Pandemie zu dauerhaften Veränderungen bei den Verhaltens- und Konsummustern führen oder wie sich die regional differenzierten Beschränkungen auf einzelne Unternehmen auswirken.

Allerdings soll die Einbeziehung weicher Daten in der Risikobeurteilung von Unternehmen die klassischen Modelle der Risikobetrachtung nicht obsolet machen. Vielmehr behalten diese ihre Aussagekraft. Ähnlich wie in Japan, wo Roboter die Pflegekräfte aus Fleisch und Blut nicht ersetzen, sondern diese entlasten und ergänzen sollen, ist es auch mit der KI-gestützten Risikobewertung. Als Overlay ist sie in der Lage, die traditionellen Risikosysteme zu verbessern. Und dass eine Neubewertung von Risiken immer wichtiger wird, hat uns nicht zuletzt die Corona-Krise als bislang einzigartige Situation mehr als deutlich vor Augen geführt.

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