Auch der Yen ist ein sicherer Hafen

Der Yen und der Franken sind beides Sichere-Hafen-Währungen. Sie werten auf, wenn sich die globalen Wirtschaftsaussichten verschlechtern und die Börsenlage getrübt ist. In guten Zeiten werten sie sich eher ab, weil Investoren ihr Portfolio zugunsten höher verzinslichen Währungen verschieben. Zudem werden sie in guten Zeiten vom Carry Trade geschwächt. Hierbei nehmen Anleger Kredite in JPY oder CHF auf und legen sie in anderen Währungsräumen an.

Der Sichere-Hafen-Status von Franken und Yen begründet sich vor allem mit den anhaltend tiefen Zinsen und dem stabilen Leistungsbilanzüberschuss. Die Schweiz weist zudem eine unvergleichliche politische und wirtschaftliche Stabilität aus. In Japan wechselt die Regierung oft und die Regierungsmacht ist sehr konzentriert. Es gibt keine Konsensfindung wie in der Schweiz. Jede neue Regierung in Japan ist versucht, mutige Richtungswechsel zu beschliessen, was der Sicherheit abträglich ist. Demgegenüber bieten die stabilen gesellschaftlichen Traditionen ein wichtiges Fundament für den Status als sicheren Hafen.

Neben den Gemeinsamkeiten zwischen Franken und Yen gibt es jedoch auch wichtige Unterschiede, welche die Kurse in den nächsten Jahren nachhaltig beeinflussen werden. Der Yen ist stark unterbewertet als Folge der «Abenomics». So wird die vom letzten Premierminister Abe eingeführte Politik genannt. Regierung und Zentralbank arbeiten eng zusammen, um die Wirtschaft zu stützen und den Yen schwach zu halten. Wir gehen davon aus, dass die Bank von Japan deshalb die letzte der G10-Zentralbanken sein wird, welche nach der Pandemie von expansiv auf neutral oder gar restriktiv schalten wird. Vorher noch wird die Eurozone und damit zusammen die Schweiz den Richtungswechsel vollziehen.

Wir rechnen also mit einer Abschwächung vom Yen in der Wirtschaftserholung. Er wird unseres Erachtens aus zwei Gründen viel stärker als der Franken für Carry Trades genutzt. Zum einen gibt es in Asien einige interessante höher verzinsliche Anlagewährungen, für welche die Investoren Yen-Kredite bevorzugen. Zudem hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Anleger öfters mit einer Politik überrascht, welche den Franken aufwerten liess. Für Kreditnehmer ist die Bank von Japan mit ihrer Wertpapierkäufen zuverlässiger. Die Schweiz kann die Minuszinsen nicht ewig halten. Sollte sich die Bank von Japan jedoch zum Kurswechsel entschliessen, würde das zu einer starken
Yen-Aufwertung führen. Bei einem aktuellen Kurs von 0.83 Franken pro 100 Yen berechnen wir ein Gleichgewicht von 1.20 Franken pro 100 Yen. Wir behalten dieses Risiko im Auge, rechnen aber für die nächsten Jahre nicht damit. Der Kurs wird in den nächsten zwölf Monaten eher noch unter 0.80 Franken pro 100 Yen fallen.

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