Der Euro und das Pfund durchliefen in den letzten Jahren zahlreiche Herausforderungen wie die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank, Europas Schuldenkrisen oder Grossbritanniens planlosen Brexit. Die Nachfrage nach Franken stieg, und die Schweizerische Nationalbank (SNB) befriedigte sie mit ihren Devisenkäufen. Der ganze Mix scheint jedoch langfristig nicht tragbar zu sein, und manch einer fragt sich, wie der Ausweg aus der komplexen Situation aussieht.

Wir rechnen mit einer Normalisierung. Sie kommt nicht trotz, sondern wegen Corona. Die Pandemie hat die Welt in eine Wirtschaftskrise geführt mit einer schweren Rezession in einigen Sektoren. Sie ist eine Belastung, aber gleichzeitig auch eine Chance, weil der Aufschwung einen Neustart der Wirtschaft und der politischen Kräfte auslösen kann. Mit anderen Worten: In den nächsten Jahren prägen die Annahmen zum Ausweg aus der Krise die Prognosen zum Euro, zum Pfund und zum Franken.

Die erste Annahme lautet, dass die Impfung die Pandemie zurückdrängen wird. Wir halten das Ende der Lockdowns und der Grenzschliessungen für absehbar. Dieser Schritt sollte die Aufwertungsattacken des Frankens eindämmen. Tatsächlich beobachten wir schon seit Bekanntwerden der ersten Impfpläne einen Rückgang der Devisenkäufe der SNB.

Was danach kommt, dies die zweite Annahme, hängt sehr stark vom Verhalten der einzelnen Staaten ab. Nehmen sie die Verbesserung der Pandemie als Anlass, die Hilfsgelder und die Kredite sehr schnell zurückzuziehen oder geben sie der Wirtschaft Zeit zu erstarken? Im zweiten Fall, den wir für Europa und Grossbritannien als plausibler erachten, besteht eine gute Chance für eine Aufwertung des Euro und des Pfunds. Der kritische Punkt sind unseres Erachtens die Kredite. Staatliche Unterstützung ist während der Krise sehr rasch und unbürokratisch geflossen. Überlässt man die verschuldeten Unternehmen nun zu schnell der privaten Kreditvergabe, droht eine Folgerezession. Die Absichten von Europa, die Wirtschaft mit gemeinsam emittierten Anleihen in Schwung zu bringen, verbreitet jedoch Zuversicht. Auch Grossbritanniens Bekenntnis zur Unterstützung von Kreditprogrammen stimmt positiv. Wir erkennen gute Ansätze auf dem Kontinent und der Insel, damit beide vom aufsteigenden globalen Wachstum profitieren können. Das Pfund wird unseres Erachtens noch stärker profitieren als der Euro, weil es in den Brexit-Jahren sehr stark unter Druck gekommen ist. Die klarere Rechtslage nach dem Brexit dürfte das Pfund stützen. Zudem bekommt es noch einen Diversifikationsbonus, weil viele Anleger nach alternativen Investitionswährungen neben dem Euro und dem US-Dollar suchen.

Der ultimative Aufwertungsschub für den Euro und das Pfund würde mit den ersten Zinserhöhungen in Europa oder Grossbritannien kommen. Sie wären das eindeutige Signal für eine Normalisierung. Dieser Schritt ist aber wahrscheinlich noch zwei bis drei Jahre entfernt, weshalb wir in den nächsten Jahren eher mit einer milden als mit einer vehementen Aufwertung des Euro und des Pfunds gegenüber dem Franken rechnen. 

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