Dass die Europäische Union (EU) mit einem Handelsvolumen von rund 299 Milliarden Franken (58 Prozent des Gesamthandels) die weltweit wichtigste Handelspartnerin der Schweiz darstellt, ist gemeinhin bekannt. Dabei richtet sich das Augenmerk stark auf den Handel mit unseren Grenzregionen. Die Bedeutung, welche die dynamischen Länder Mitteleuropas für die Schweizer Wirtschaft spielen, wurde bis anhin jedoch weniger stark beleuchtet.

Dabei nimmt diese Region als Beschaffungsmarkt eine zentrale Rolle bei Schweizer Firmen ein. Qualifizierte Arbeitskräfte, eine hohe Verfügbarkeit an lokalen Zulieferern und konkurrenzfähige Kosten machen die Länder Mitteleuropas zu äusserst attraktiven Partnern. Ausserdem verwenden fast alle den Euro, womit Wechselkursschwankungen im Handel abgefedert werden können.

Im Zuge geopolitischer Unsicherheiten und der Neuausrichtung globaler Lieferketten gewinnt der mitteleuropäische Markt für die Produktionssicherheit von Schweizer Firmen weiter an Bedeutung. Im Rahmen des KMU-Barometers der NZZ von 2022 gaben 57 Prozent der befragten Wirtschaftsführer an, dass Mitteleuropa in Bezug auf die Aus- beziehungsweise die Verlagerung ihrer Produktion («offshoring» und «outsourcing») in Zukunft an Bedeutung gewinnen würde. Das ist ein eindeutiger Trend zu mehr Nähe, gerade angesichts zunehmender Transportkosten im interkontinentalen Güterverkehr.

Bereits heute unterhalten Schweizer Unternehmen mit zahlreichen Ländern Mitteleuropas enge wirtschaftliche Beziehungen. Der wichtigste Partner in dieser Region ist Polen, nicht zuletzt aufgrund seines grossen Geschäftspotenzials, der exportorientierten Wirtschaft und der EU-Mitgliedschaft. Es erstaunt deshalb nicht, dass Polen als Produktionsstandort für Schweizer Firmen sehr beliebt ist und wegen seines guten Bildungsniveaus ein interessanter Standort für Servicecenter ist. Weitere Länder sind zu nennen: So entwickelt sich beispielsweise die Slowakei zu einem aufstrebenden Cleantech-Zentrum und baut gleichzeitig die E-Mobilität stetig aus. Tschechien ist als weit entwickelte Industrienation eine sehr beliebte Destination für Schweizer Direktinvestitionen, zusätzlich zur Produktion vermehrt auch in Forschung und Entwicklung.

Der Markteintritt in Mitteleuropa gestaltet sich für Schweizer Firmen, insbesondere KMU, jedoch nicht immer ganz einfach. Zu den Herausforderungen gehören zum Teil fehlende Rechtssicherheit oder die schwerfällige Bürokratie. Unterstützung erhalten Unternehmen dabei von Switzerland Global Enterprise (S-GE), dem offiziellen Exportförderer der Schweiz. Aber auch die Handelskammer Schweiz–Mitteleuropa (SEC) engagiert sich für Schweizer Unternehmen, die in die Region expandieren wollen. Das tut sie unter anderem mithilfe von Branchen- und landes­spezifischen Marktabklärungen oder der Vermittlung von Kooperationspartnern in den verschiedenen Ländern.