EXPERTENWISSEN Sieben Trends, die 2026 die Industrie prägen 2026 steht die Fertigungsindustrie an einem Wende punkt: Technologien entwickeln sich rasant, Vor schriften werden komplexer, Kunden fordern mehr Transparenz und Flexibilität. Unternehmen, die ge winnen wollen, brauchen verläss liche Daten. Nur wer Informationen konsistent nutzt, kann künstliche In telligenz (KI) wirksam einsetzen, regulatorische Vor gaben erfüllen und widerstands fähige Lieferketten aufbauen. Hier sind sieben Trends, welche die Industrie dieses Jahr prägen werden. Herkunft, ESGKennzahlen und Compliance gegen über Lieferanten zuverlässig nachzuweisen. 4. Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten Geopolitik und Handelsspannungen verstärken Near shoringTendenzen. Transparenz über Tier1 hinaus wird entscheidend, doch nur 18 Prozent überwachen Compliance über Tier3Strukturen. Analytik für Szenariotests, Risikomodelle und schnelle Reaktio nen stärken die Agilität und machen Lieferketten widerstandsfähiger gegen Schocks. Björn Gerster Lead European Center of Excellence Manufacturing, Dun & Bradstreet 1. Daten als Grundlage für Transformation Saubere, verifizierte Daten sind das Rückgrat opera tiver Exzellenz. Dennoch fühlen sich nur 36 Prozent der Hersteller sicher im Umgang damit, 44 Prozent berichten von gescheiterten KIProjekten aufgrund schlechter Datenqua lität, und 51 Prozent leiden unter Dubletten und Silos. Nur ein Drittel investiert in integrierte Datenplattformen. Wer jetzt in Qualität, Governance und Harmonisierung investiert, schafft die Basis für vorausschauende Wartung, Szenarioplanung und Echtzeitrisikoanalysen. 5. Neue Kundenerwartungen Kunden verlangen Anpassung, Geschwindigkeit, Nachhaltigkeit und klare Herkunftsnachweise. Nur 11 Prozent der Hersteller überwachen ihre gesamte Lieferkette, 70 Prozent finden kaum alternative Lieferanten aufgrund mangelhafter Da ten. Erfolgreich sind jene, die Sichtbarkeitslücken schliessen und Echtzeiteinblicke liefern. 6. Finanzielle Risiken rücken in den Fokus Makroökonomische Unsicherheit erhöht Ausfall und Insolvenz risiken entlang der Lieferkette. Bei Nettomargen von 10 Prozent kann ein Zahlungsausfall enorme Verluste verursachen. Proak tive Bonitätsprüfungen, kontinuierliches Monitoring, Factoring, Lieferkettenfinanzierung und digitale Forderungen werden zen tral, um die Liquidität zu sichern. 7. Der Talentfaktor entscheidet Die Automatisierung nimmt zu, doch 34 Prozent der Hersteller arbeiten weiterhin manuell. 2026 steigt der Bedarf an Fähig keiten in Analytics, Governance und KI. Unternehmen, die ihre Teams gezielt weiterentwickeln, steigern ihre Effizienz, nutzen datenbasierte Werkzeuge besser und entlasten Fachkräfte. ■ 2. KI unterstützt menschliche Expertise KI verändert Produktionsabläufe und ermöglicht Transparenz über finanzielle, ESG, Cyber und geopolitische Risiken. Fehler hafte Daten verzerren Modelle und Entscheidungen. Hersteller sollten KIEinführung und Datenqualität parallel vorantreiben. So entsteht ein Zusammenspiel, bei dem KIRoutineaufgaben automatisiert und Teams von reaktivem Handeln zu strategischer Planung übergehen. 3. Regulatorische Komplexität nimmt zu Regulatorik ist für ein Drittel der Führungskräfte die grösste Herausforderung. EUGreenDeal, CSRD, Digital Product Passport, KIGesetz, CyberRegeln und Exportkontrollen erhöhen Tempo und Druck. Harmonisierte, prüfbare Daten werden essenziell, um 16 SWISS EXPORT JOURNAL | 2. Quartal 2026