Grossbritannien: Neue Zuversicht für die Wirtschaft

Grossbritannien befindet sich in einem wirtschaftlichen und politischen Umbruch. Nach Jahren mit Brexit-Folgen, schwachem Wachstum, hoher Inflation und politischer Unsicherheit hat sich das Umfeld zuletzt etwas stabilisiert. Die britische Wirtschaft bleibt jedoch mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Eine geordnete Politik und die Erwartung einer finanzpolitisch vorsichtigen Regierung stärken derweil das Vertrauen der Märkte.

Für Unternehmen ist vor allem das Zusammenspiel von Wachstum, Inflation und Wirtschaftspolitik entscheidend. Die britische Wirtschaft dürfte weiterhin nur moderat wachsen. Ein Teil der unmittelbaren Anpassungen an die neuen Handelsbeziehungen und Regulierungen nach dem Brexit dürfte inzwischen erfolgt sein, strukturelle Belastungen bleiben jedoch bestehen. Gleichzeitig sind die öffentlichen Finanzen angespannt und der finanzpolitische Spielraum der Regierung begrenzt. Eine glaubwürdige Finanzpolitik ist deshalb wichtig, um die Finanzierungskosten des Staats und die Risikoprämien britischer Vermögenswerte unter Kontrolle zu halten.

Auch die Inflation und die Geldpolitik der Bank of England bleiben für die Wirtschaft und das Pfund Sterling entscheidend. Die Notenbank dürfte vorsichtig vorgehen und die Zinsen nur dann weiter senken, wenn sich der Preisdruck – insbesondere bei Löhnen und Dienstleistungen – nachhaltig abschwächt. Ein vergleichsweise hohes Zinsniveau belastet zwar Nachfrage und Investitionen, erhöht aber zugleich die laufenden Renditen von Geldmarktanlagen und neu emittierten Anleihen in Pfund. Das kann internationale Kapitalzuflüsse unterstützen, sofern sich die politische Lage weiter beruhigt.

Für Schweizer Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen zu Grossbritannien bleibt die Entwicklung in beide Richtungen relevant. Eine stabilere Wirtschaft und ein höheres Vertrauen können die Nachfrage nach importierten Waren und Dienstleistungen fördern. Gleichzeitig beeinflussen Wechselkursschwankungen die Margen: Schweizer Exporteure erzielen bei einem stärkeren Pfund in Franken gerechnet höhere Erlöse, während Importe aus dem Vereinigten Königreich teurer werden. Bei länger laufenden Verträgen sollten Unternehmen deshalb die Vertragswährung, Absicherungsquoten und mögliche Wechselkursbandbreiten sorgfältig abwägen.

Das Pfund hat in den vergangenen Jahren unter politischer Unsicherheit, schwachem Wachstum und der Zurückhaltung internationaler Anlegerinnen und Anleger gelitten. Sollte sich die Stimmung gegenüber britischen Vermögenswerten weiter verbessern, könnten Investoren bestehende Untergewichtungen schrittweise abbauen. Das könnte das Pfund Sterling kurzfristig zusätzlich stützen.

Mittelfristig erwarten wir für GBPCHF eine stabile bis leicht GBP-freundliche Entwicklung. Das Währungspaar war in der Vergangenheit durch eine vergleichsweise geringe Volatilität und einen überwiegend rückläufigen Trend geprägt. In den kommenden Quartalen dürfte die Zinsdifferenz das Pfund unterstützen, sofern die britische Inflation nachlässt und die Fiskalpolitik glaubwürdig bleibt. Dieser Effekt kann jedoch durch eine Aufwertung des Schweizer Frankens in Phasen erhöhter globaler Risikoaversion überlagert werden.