Frankreich: Ein Schlüsselpartner in Europa

Frankreich bietet Schweizer Exporteuren konkrete Chancen in mehreren strategischen Industriesektoren, die durch umfangreiche öffentliche Investitionen und eine starke Innovationsdynamik unterstützt werden. Die Luft- und Raumfahrtindustrie erzielte 2024 einen Umsatz von 71 Milliarden Franken, davon 82 Prozent im Export, und generiert eine hohe Nachfrage in den Bereichen Industrie 4.0 und 5.0, Wartung (MRO), Cybersicherheit und Dekarbonisierungslösungen. Die nationale Wasserstoffstrategie, die bis 2030 mit 8 Milliarden Franken ausgestattet ist, eröffnet Perspektiven in den Bereichen Elektrolyse, CO2-Speicherung und Energieeffizienz. Die Modernisierung des Schienenverkehrs sowie der Medtech-Sektor, die durch «France 2030» unterstützt werden, ergänzen diese Potenziale.

In diesem Kontext spielt der als offizieller Vertreter von Switzerland Global Enterprise in die Schweizerische Botschaft in Frankreich integrierte Swiss Business Hub (SBH) eine zentrale Rolle bei der Exportförderung und der Positionierung des Wirtschaftsstandorts Schweiz. Er begleitet schweizerische und liechtensteinische KMU in allen Phasen ihrer Markterschliessung: Marktanalysen, Partnersuche, rechtliche Abklärungen, Wirtschaftsmissionen und gezielte operative Unterstützung. Im Jahr 2025 wurden über 400 Unternehmen begleitet und rund 70 Projekte in Sektoren mit hohem Potenzial umgesetzt.

Darüber hinaus stellt das lokale Innovationsökosystem, das zu den dynamischsten in Europa zählt, eine strategische Chance für die Schweiz dar. Der SBH unterstützt technologieorientierte Unternehmen mit hohem Potenzial bei ihrer Ansiedlung in der Schweiz. 2025 wurden 52 Unternehmen aus den Bereichen Digitalisierung und Life Sciences betreut. Der SBH trug unter anderem zur Ansiedlung des Einhorn-Unternehmens Zama bei, das auf fortgeschrittene Kryptografie spezialisiert und Preisträgerin des Programms French Tech 2030 ist.

Über die Wachstumsbranchen hinaus beruht die französisch-schweizerische Wirtschaftsbeziehung auf intensiven Handelsströmen und eng verflochtenen Wertschöpfungsketten. Mit einem jährlichen Handelsvolumen von über 45 Milliarden Franken1 zählt Frankreich zu den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz und ist ein zentraler Akteur im europäischen Binnenmarkt.

Diese Komplementarität zeigt sich besonders in den grenznahen Regionen. Die Zusammenarbeit in der Pharma- und der Chemieindustrie zwischen Basel und der Region Grand Est, die Uhrmacherkunst und die Mikrotechnik im Jurabogen sowie die Energietechnologien im Genferseebecken verdeutlichen die enge Verflechtung industrieller Ökosysteme. Diese Nähe begünstigt Partnerschaften, gegenseitige Investitionen und den Zugang zu ergänzenden Kompetenzen.

In der Praxis erfordert der Markterfolg in Frankreich ein gutes Verständnis der oft zentralisierten Entscheidungsstrukturen sowie eine solide lokale Verankerung. Der Einfluss grosser Unternehmen und der Verwaltungen, die Bedeutung persönlicher Netzwerke sowie die Besonderheiten des französischen Sozial- und Steuersystems verlangen einen strukturierten Ansatz, der jedoch zu bewältigen ist.

Schliesslich wird das Wettbewerbsumfeld direkt von der Entwicklung des europäischen Rahmens in den Bereichen Energiewende, Digitalisierung und Reindustrialisierung beeinflusst. Diese Entwicklungen schaffen Innovationschancen, erhöhen jedoch zugleich die Anforderungen an die Wettbewerbsfähigkeit.

Mit 68,6 Millionen Einwohner*innen stellt Frankreich einen Markt von kritischer Grösse dar und ist zugleich ein strategischer Partner sowie ein natürlicher Ankerpunkt für den europäischen Markt.

  1. Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG). SwissImpex – Aussenhandel im Focus. Bern, 2025 ↩︎