Frankreich: Fiskalprobleme und politische Unsicherheit
Die politische Unsicherheit in Frankreich war in den vergangenen Jahren aussergewöhnlich gross und hat sowohl französische Finanzanlagen als auch den Euro belastet. Seit der Wahl Emmanuel Macrons zum Staatspräsidenten 2017 hat Frankreich bereits den siebten Ministerpräsidenten. In den letzten zwei Jahren gab es zahlreiche Vertrauensabstimmungen im Parlament sowie mehrere Haushalte, die erst nach erheblichen Verzögerungen von der Nationalversammlung verabschiedet wurden. Obschon der amtierende Ministerpräsident das Budget für 2026 durchgebracht hat, bedeutet das keineswegs, dass nun politische Stabilität einkehrt.
Die stark fragmentierte Nationalversammlung erschwert zudem künftig die Bildung stabiler Mehrheiten. Hinzu kommen die Wahlen 2027, bei denen Präsident Emmanuel Macron nicht erneut kandidiert und laut aktuellen Umfragen das Rassemblement National voraussichtlich die Mehrheit der Stimmen erhält. Selbst bei einem Wechsel im Präsidentenamt dürfte die Mehrheitsbildung in der Nationalversammlung weiterhin schwierig sein.
Da Frankreich die zweitgrösste Volkswirtschaft in der Eurozone ist, wirken sich politische Unsicherheiten nicht nur auf das Land selbst, sondern auf die gesamte Eurozone aus. Jede politische Krise in Frankreich hat in den letzten Jahren zu kurzfristigen und teilweise deutlichen Risikoaufschlägen auf französische Staatsanleihen geführt. Diese Risikoprämie hat den Euro im Vergleich zu anderen Währungen belastet. Umgekehrt profitierte der Euro Anfang 2026 davon, dass das französische Budget verabschiedet und die Risikoprämie abgebaut wurde. Auch künftig ist davon auszugehen, dass politische Ereignisse in Frankreich den Euro massgeblich beeinflussen. Generell belastet die Erwartung, dass es in den kommenden Jahren keine stabile Mehrheitsregierung geben wird, die Gemeinschaftswährung.
Positiv ist jedoch zu vermerken, dass das Haushaltsdefizit Frankreichs seit der Covid-19-Pandemie gesunken ist und in den kommenden Jahren weiter zurückgehen dürfte. Ebenfalls sollten sich das deutsche Fiskalpaket und die europäischen Verteidigungsausgaben auf die französische Wirtschaft auswirken. Entsprechend haben sich französische Unternehmensanleihen in den letzten Monaten trotz politischer Unsicherheiten gut entwickelt, da sie stärker von internationalen als von innenpolitischen Faktoren beeinflusst werden. Daneben sollte der Euro vom durch Fiskalmassnahmen gestützten Wachstum profitieren, da diese weiteren geldpolitischen Lockerungen der Europäischen Zentralbank unwahrscheinlich machen. In Frankreich ist wohl vorerst das Schlimmste überstanden, auch wenn weiterhin politische Unsicherheiten bestehen.






































