Internationalisierung mit Tiefgang
Die PAWI Group AG mit Hauptsitz in Winterthur ist ein führender Anbieter von Verpackungslösungen aus Karton und Papier für den Food- und Non-Food-Bereich. Seit über sechs Jahrzehnten steht das Familienunternehmen für Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit. Mit Produktionsstandorten in der Schweiz (Winterthur), in Deutschland (Singen) und seit 2023 in Polen (Warschau) verfolgt PAWI eine klare Strategie: Spezialisierung, Technologieführerschaft und Internationalisierung – mit dem Ziel, ihren Kunden in ganz Europa einen echten Mehrwert zu bieten.
Im Mai 2023 übernahm PAWI das Verpackungsunternehmen Printmax in Warschau. Printmax ist spezialisiert auf die Hochveredelung von Faltschachteln für Kosmetik, Near-Pharma und Luxusgüter. Die Übernahme war ein strategischer Schritt, um das Produktportfolio gezielt zu erweitern und die internationale Wettbewerbsposition zu stärken.
Zwei Jahre später – unsere Erfahrungen
Die Integration erfolgte in vier Phasen: 2023 stand im Zeichen der minimalen Eingliederung, 2024 folgten erste Optimierungen und eine engere Zusammenarbeit. 2025 ist geprägt von Wachstum und gezielten Investitionen in Maschinen und Gebäude. 2026 konzentrieren wir uns auf die Produktionseffizienz und die Stärkung unserer internationalen Verkaufsorganisation.
Polen hat sich seit unserer Übernahme als dynamischer Markt mit beeindruckendem Wachstum gezeigt. Während viele europäische Länder stagnieren, legt Polen laut Prognosen um 3,3 Prozent zu – dreimal so stark wie der EU-Durchschnitt und deutlich vor Deutschland. Besonders beeindruckt hat uns das ausgeprägte Arbeitsethos: Die Menschen sind motiviert, mutig und bereit, Risiken einzugehen. Diese Mentalität ist spürbar und wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus.
Natürlich bringt diese Dynamik auch Herausforderungen mit sich. Der Wettbewerb um Fachkräfte nimmt spürbar zu, die Arbeitslosenquote liegt mit 3,2 Prozent sogar unter derjenigen von Deutschland. Das treibt die Löhne – allein im letzten Jahr stiegen sie real nach Abzug der Inflation um 9,5 Prozent. Polen hat seit der Jahrtausendwende das stärkste Lohnwachstum in Mittel- und Osteuropa verzeichnet. Zwar liegen die Löhne noch unter dem deutschen Niveau, doch der Abstand hat sich deutlich verringert: von 9 Prozent des deutschen Durchschnitts im Jahr 2000 auf heute rund 39 Prozent.
Diese Entwicklung zeigt: Polen ist längst mehr als nur die «Werkbank Europas». Es ist ein Markt mit Potenzial, Mut und einem starken Willen zur Weiterentwicklung – Eigenschaften, die wir in unserem Team vor Ort täglich erleben.
Diese makroökonomischen Entwicklungen widerspiegeln sich in unseren operativen Erfahrungen. Besonders positiv überrascht haben uns neben der erwähnten professionellen Arbeitseinstellung die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit des Teams in Warschau, gepaart mit Kreativität, Pragmatismus und einem starken Bildungsbewusstsein. Diese Eigenschaften haben wesentlich dazu beigetragen, ein engagiertes Team aufzubauen und die Prozesse kontinuierlich zu verbessern.
Gleichzeitig mussten wir lernen, mit strukturellen Besonderheiten umzugehen: EU-Fördermittel haben in Polen zu Überkapazitäten geführt, was den Preiskampf verschärft. Die Produktivität liegt unter dem Niveau unserer anderen Werke, was gezielte Massnahmen erforderlich macht. Auch die Verfügbarkeit von qualifizierten Technikern und Rohmaterialien ist nicht immer gewährleistet.
Ein zusätzlicher Faktor, der sich zunehmend bemerkbar macht, ist die geopolitische Unsicherheit in der Region. Der Krieg im Nachbarland Ukraine verunsichert die Bevölkerung und wirkt sich spürbar auf das Konsumverhalten aus – vor allem bei nicht lebensnotwendigen Produkten im Luxusbereich. Diese Zurückhaltung stellt zusätzliche Anforderungen an die Marktpositionierung und die Vertriebsstrategien.
Unser Fazit
Mit viel Energie und grossen Erwartungen sind wir 2023 gestartet und haben in den letzten zwei Jahren enorm viel gelernt und ein starkes Fundament gelegt. Die Herausforderungen zeigen uns klar, wo wir besser werden müssen – hauptsächlich in den Bereichen Wachstum, Produktivität und Positionierung als attraktiver Arbeitgeber in Warschau.
Übernahmen werden in der Theorie oft mit Synergien begründet – gemeinsame Stärken, Effizienzgewinne, neue Marktchancen. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass gerade die Umsetzung dieser Synergiepotenziale zu den anspruchsvollsten Aufgaben gehört. Denn sie erfordert Veränderung: Mitarbeitende müssen Gewohntes loslassen, sich auf Neues einlassen und bereit sein, ihre Komfortzone zu verlassen. Nicht selten scheitern gute Ideen und Pläne an der menschlichen Realität, an der Flexibilität, der Veränderungsbereitschaft und dem Vertrauen, das nötig ist, um gemeinsam neue Wege zu gehen.
Unsere Investition im Ausland beruhte auf fundierten Analysen, exzellenten Excel-Tabellen und einer Prise Optimismus, der sich im Nachhinein als leicht überdosiert herausgestellt hat. Eine Auslandsinvestition ist ein bisschen wie eine Fernbeziehung: Am Anfang ist alles aufregend, man hat grosse Pläne, und irgendwann merkt man, dass der Alltag mehr Geduld benötigt als gedacht. Die Integration einer Firma ist wie eine Wanderung in den Bergen – je nach Entwicklung des Wetters braucht man doppelt so lang als geplant.
Doch mit den Erfahrungen der letzten zwei Jahre, der Kompetenz unseres Teams und dem klaren Blick auf das Wesentliche sind wir überzeugt: Wir werden das Potenzial des Standorts Warschau heben und unsere internationale Kundenbasis weiter ausbauen.














































