Wachstumschampion mit Rüstungsbedarf
Polens Beitritt zur Europäischen Union (EU) liegt mehr als 20 Jahre zurück, und die Entwicklung des Landes war seitdem ein wirtschaftlicher Erfolg. Das kaufkraftbereinigte Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt ist in diesem Zeitraum von rund 50 Prozent des europäischen Durchschnitts auf über 80 Prozent gestiegen. Das Wirtschaftswachstum war nicht nur hoch, sondern auch recht stabil: Polen erlebte keine Rezession infolge der globalen Finanzkrise und schaffte eine schnelle positive Wende nach der Pandemie.
Der Wachstumsausblick bleibt positiv. Mit sinkender Inflation bei gleichzeitig weiterhin erhöhtem Lohnwachstum, ausserordentlich hohen Fiskaldefiziten und dem investitionstreibenden Zufluss europäischer Gelder sind genug Treiber vorhanden. Auch längerfristig sind Polens Aussichten solide: Gemäss dem vor Kurzem veröffentlichten Ausblick des Internationalen Währungsfonds wird bis 2030 ein durchschnittliches Wachstumsdifferenzial von 1,3 Prozent pro Jahr im Vergleich zur EU vorhergesagt.
Polens Vorreiterrolle beschränkt sich nicht nur aufs Wachstum. Das Land nimmt die geopolitische Bedrohungslage in Europa sehr ernst und gibt entsprechend hohe Summen für die Verteidigung aus. Es übertraf bereits 2022 die Nato-Marke von 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts und hat seitdem deutlich aufgestockt (2025: 4,7 Prozent). Zudem fliessen diese Ausgaben zur Hälfte in die Anschaffung von Ausrüstung, was ebenfalls im Nato-Vergleich sehr viel ist. Die lokale Rüstungsindustrie kann diese Nachfrage nur zum Teil erfüllen, und Rüstungsimporte werden wohl ein fortlaufendes Merkmal im polnischen Aussenhandel in den kommenden Jahren sein.
Auch Deutschland hat sich der Aufrüstung verschrieben, und mit der Lockerung der Schuldenbremse und der Einrichtung eines Sondervermögens steht deutlich mehr Geld für Militärausgaben und Infrastrukturinvestitionen bereit. Für Polen könnte sich hier ein allgemeiner zyklischer Antrieb entwickeln, da die polnische Wirtschaft stark mit der deutschen verbunden ist. Sollte es den europäischen Ländern zudem gelingen, Rüstungsvorhaben zu bündeln und eine gemeinsame länderübergreifende Rüstungsindustrie aufzubauen, würde Polen sich dank seiner wirtschaftlichen Struktur, seinen Fertigkeiten im verarbeitenden Gewerbe und seinen im Vergleich zu Westeuropa noch immer tieferen Löhnen als Standort anbieten.
Steigende Löhne in Polen sind ein Resultat angespannter Arbeitsmärkte. Zusammen mit der Aufwertung des polnischen Zloty in den letzten Jahren hat das die Wettbewerbsfähigkeit gemindert, aber dieser insgesamt nicht zu sehr geschadet – ausländische Direktinvestitionen waren in den letzten Jahren deutlich höher als vor der Pandemie.
Für die Währung wird neben den Wachstumsaussichten die Geldpolitik eine wichtige Rolle spielen. Die polnische Zentralbank befindet sich auf einem Zinssenkungskurs, der sich im kommenden Jahr fortsetzen könnte. Das abnehmende Zinsdifferenzial zur Eurozone, für die wir einen unveränderten Leitzins erwarten, sollte dabei ausgleichend wirken und den Zloty weiterhin stabil gegenüber dem Euro halten.













































