China im Zentrum des Handelskriegs

Mit Donald Trumps Rückkehr ins Weisse Haus dachten viele Anlegerinnen und Anleger, dass China im US-Handelskrieg zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt würde. Die Tage nach dem «Tag der Befreiung» mit der Ankündigung «reziproker» US-Zölle schienen das zuerst zu bestätigen, da die Zölle zwischen den USA und China auf 125 bis 145 Prozent angehoben wurden. Seitdem hat jedoch eine Deeskalation stattgefunden, wobei die Einfuhrzölle auf beiden Seiten stark gesenkt wurden, um eine 90-tägige Verhandlungsfrist zu ermöglichen. Mittelfristig erwarten wir, dass sich der effektive US-Zollsatz auf chinesische Importe im Bereich von 30 bis 50 Prozent und der potenzielle Vergeltungszollsatz Chinas auf US-Importe auf etwas niedrigeren Niveaus einpendeln.

Chinesische Entscheidungsträger dürften weiterhin eine unterstützende Fiskal- und Geldpolitik beibehalten. Nach einer Senkung des Mindestreservesatzes (RRR) um 50 Basispunkte (Bp.) und des Leitzinses um 10 Bp. im Mai halten wir weitere Senkungen des RRR um 50 bis 100 Bp. sowie des Leitzinses um 20 bis 30 Bp. später in diesem Jahr für wahrscheinlich.

Wir denken, dass der CNY graduell gegenüber dem USD in Richtung 7.0 aufwertet, da wir eine breite USD-Schwäche erwarten und die Stimmung gegenüber China von Vorsicht zu vorsichtigem Optimismus wechseln sollte. Angesichts der anhaltenden Entdollarisierungsdiskussionen rückt das Währungsumtauschverhältnis unter chinesischen Unternehmen und Exporteuren als potenzieller Katalysator für die nächste CNY-Bewegung wieder in den Fokus. Derzeit sind die Marktbedingungen stabil, mit wenig Anzeichen für beschleunigte Verkäufe. Die neuesten Daten der staatlichen Devisenverwaltung zeigen eine Erhöhung der Nettodevisenverkäufe, die im April auf USD 5,9 Milliarden gestiegen sind, verglichen mit USD 0,1 Milliarden im März. Dieser Anstieg ist jedoch bescheiden im Vergleich zu früheren Phasen ausgeprägter Dollarschwäche (USD 45,4 Mrd. im September und USD 15,8 Mrd. im Oktober 2024). Für das restliche Kalenderjahr und 2026 er­warten wir, dass ein schwächerer USD und ein ver­bessertes Vertrauen in chinesische Vermögenswerte zu einer grösseren Währungsumwandlung durch Exporteure und Unternehmen führen, während chinesische Staatsbürger ihre Devisenkäufe reduzieren könnten − zusammen sollten diese Faktoren den CNY gegenüber dem USD unterstützen.

Der Weg für die CNY-Aufwertung wird unseres Er­achtens von zwei Hauptfaktoren geprägt: der breiten USD-Schwäche und der fortgesetzten Steuerung der Chinesischen Volksbank (PBoC) durch tägliche Fixings. Die 90-tägige Zollpause brachte etwas Erleichterung, aber ungelöste Handelsfragen und anhaltender deflationärer Druck im Inland bedeuten, dass die Entscheidungsträger wahrscheinlich eine stetige, kontrollierte Aufwertung priorisieren dürften. Insbesondere war das Anpassungstempo beim Fixing diesmal viel langsamer im Vergleich zu den schnellen Bewegungen im September und Oktober 2024. Das widerspiegelt eine vorsichtigere Haltung der PBoC angesichts eines schwierigeren Handelsumfelds und eines langfristigen strategischen Wettbewerbs mit den USA.