Monetäre Bedingungen auf dem Weg zur Normalisierung

Die monetären Bedingungen sind auf gutem Weg zur Normalisierung. Normalisierung bedeutet höhere, positive Zinsen und wahrscheinlich auch eine Reduktion der Geldmenge und der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Weltweit steigen die Zinsen, und auch die Schweiz wird sich dem Trend nicht entziehen. Die hohen Inflationsraten in den USA, der Eurozone, in Grossbritannien und vielen anderen Ländern sind der Grund für die Zinserhöhungen. Während der Pandemie haben die Zentralbanken die Schleusen geöffnet und die Finanzmärkte mit Liquidität versorgt, um einen Dominoeffekt zu vermeiden, bei dem ein Konkurs dem anderen folgt. Gleichzeitig haben viele Staaten grosszügig Notkredite gesprochen. Bei all den Politikmassnahmen ist es kein Wunder, dass mit dem Ende der Pandemie die Nachfrage so weit angestiegen ist, dass die Inflationsraten in vielen Ländern über die Zielvorgaben der Zentralbank hinausgeschossen sind.

Der wenig erfreuliche Aspekt für viele Zentralbanken ist hierbei, dass nicht nur Lieferengpässe bei Rohstoffen und Zwischenprodukten die Inflation angeheizt haben. Tatsächlich treibt auch eine ungewöhnlich starke Nachfrage die Inflation an. Deshalb mussten die Zentralbanken ihre ursprüngliche Einschätzung revidieren, die Inflation sei temporär und werde von allein verschwinden. Vielmehr müssen sie die Zügel anziehen, was insbesondere der Eurozone und der Schweiz hilft, endlich die Minuszinsen abzulegen. Der Euro dürfte aber von den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) weniger profitieren als die Schweiz von den Zinserhöhungen der SNB. In der Eurozone ist die Inflation mit 5 bis 7 Prozent viel zu weit über die Zielvorgabe von 2 Prozent gestiegen. Die EZB kommt so spät mit dem Zinsschritt, dass sie zuerst das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen muss, bevor der Euro aufwerten kann. Die SNB hat demgegenüber relativ früh ihre Interventionen zurückgefahren, den Franken aufwerten lassen, und damit das Land vor der Inflation im Ausland vergleichsweise gut abgeschirmt.

Für international operierende Schweizer Unternehmen ist die Normalisierung nur teilweise positiv. Zwar hilft der starke Franken, die Vorleistungen günstiger einzukaufen, aber die Lieferengpässe bleiben bestehen. Gerade wenn es um heikle, in Südkorea oder China produzierte Komponenten wie Bildschirme, Speicher oder andere elektronische Komponenten geht, ist die Währung sehr oft nicht der zentrale Faktor. Seit 2019 hat sich der koreanische Won gegenüber dem Franken um rund 16 Prozent abgewertet. Gleichzeitig sind aber die Preise für diverse koreanische Produkte viel stärker angestiegen. Wir rechnen damit, dass die Preissignale noch einige Jahre sehr unzuverlässig sein werden. Da die Lieferschwierigkeiten Anreize bieten, neue Produktionsstätten zu bauen und die bestehende Produktion in China und Korea wieder auszubauen, wird es zu Angebotsschwankungen kommen.

Zusammenfassend stellen wir fest, dass das Treasury von vielen Unternehmen in den nächsten Jahren vor wichtigen Herausforderungen steht. Die Volumen werden, bedingt durch die unsichere Nachfragesituation und schwankende Angebotsmengen, volatil sein. Zudem wird man die Finanzierung aufgrund der steigenden Zinsen und des nachhaltig stärkeren Frankens neu optimieren müssen.

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