Mittelosteuropa: die europäische Wachstumsmaschine

Die Region Mittel- und Osteuropa – oder auch Central Eastern Europe (CEE) – gilt heute als einer der attraktivsten Wirtschaftsstandorte der Welt. Dafür gibt es vielfältige Gründe. Zentral ist sicher, dass die siebzehn Länder in den letzten Jahren ihre Infrastruktur und ihre Wettbewerbsfähigkeit stark verbessern konnten. Schon seit vielen Jahren verzeichnete CEE in Europa überdurchschnittliche Wachstumsquoten und war so die eigentliche Wachstumsmaschine der europäischen Wirtschaft.

Heute haben die stärksten Volkswirtschaften aus Mittelosteuropa wie z. B. die Tschechische Republik, Slowenien oder auch Polen und weitere bezüglich BSP pro Einwohner einige Länder West- und Südeuropas eingeholt und teilweise überholt. Dies gilt auch für andere wichtige Wirtschaftsindikatoren wie z. B. «Easyness of Doing Business», Wettbewerbsfähigkeit oder auch Innovationskraft. Und die Aussichten bleiben gut. Trotz der Covid-Unsicherheiten prognostiziert der jüngste Bericht der EBRD eine CEE-Wachstumsrate von 5,2 Prozent für 2021.

Es gibt gute Gründe, weshalb man auch für die nächsten Jahre zuversichtlich sein kann. Nebst der erstarkten Wettbewerbsfähigkeit und dem gesteigerten Binnenkonsum werden die CEE-Länder auch noch weitere Transferzahlungen von der EU erhalten. Auch wird CEE zu den Gewinnern gehören, wenn Europa gewisse Produktionskapazitäten und Beschaffungsgüter aus Asien wieder zurückholen wird (Nearshoring).

Die Bedeutung von CEE für die Schweiz
Mittelosteuropa ist aus vielerlei Gründen sehr wichtig für die Schweiz. Einerseits ist die Region ein sehr erfolgreicher Wirtschaftsmarkt für uns. So haben sich die Schweizer Exporte von 2010 bis 2020 um 80 Prozent oder nominal um fast 6,5 Milliarden CHF auf insgesamt 14 Milliarden erhöht. Das bedeutet, dass der Gesamtanteil von CEE an den globalen Gesamtexporten der Schweiz von 3,7 Prozent auf 4,7 Prozent gestiegen ist. Ähnlich verhält es sich mit den Importen.

Vor grosser wirtschaftlicher Bedeutung ist Mittelosteuropa aber auch als Beschaffungsmarkt, für Investitionen und natürlich auch aufgrund der vielen CEE-Arbeitskräfte, welche unsere Wirtschaft am Laufen halten. Zum Beispiel wäre unsere Industrie ohne CEE-Auslagerungs- oder Beschaffungsmöglichkeiten nicht so erfolgreich im Weltmarkt. Und natürlich ständen wohl viele Bereiche der Schweizer Wirtschaft still, könnten wir nicht auf die Talente aus Mittelosteuropa zählen, von IT-Fachkräften über Fabrik- oder Erntearbeiter bis hin zu Gesundheitspersonal inklusive Ärzte.

CEE ist aber auch deshalb sehr bedeutend für die Schweiz, weil über 450 000 Menschen mit einen «CEE-Pass» bei uns leben. Dies führt zwangsläufig zu sehr viel Austausch und einer positiven Dynamik.

Grosse Unterschiede zwischen den Ländern bedeuten Herausforderungen und Chance zugleich
Mittelosteuropa ist eine sehr diverse Region mit vielen unterschiedlichen Ländern, Kulturen, Sprachen, wirtschaftlichen Entwicklungsstadien und mehr. Grob kann man zwischen dem Baltikum, Mitteleuropa (mit den Visegrád-Ländern) und Südosteuropa unterscheiden.

Klar ist, wenn man erfolgreich mit CEE wirtschaften will, muss man jedes Land einzeln betrachten und bearbeiten. Kulturell stehen uns die CEE-Länder aber generell nahe, trotz der bestehenden Unterschiede, beispielsweise näher als asiatische Wirtschaftspartner.

Gesamthaft bietet die Wachstumsregion dank ihrer Diversität auch attraktive Chancen. So kombiniert CEE kaufkräftige Absatzmärkte mit vorteilhaften Produktions- und Beschaffungsmärkten. Da die meisten Länder entweder den Euro nutzen oder ihre Währungen an diesen gebunden haben, kann man sich dank einer smarten Wertschöpfungskette gut gegen Währungsschwankungen schützen («Natural Hedging»). Und dabei fokussiert Marktchancen in ganz Europa wahrnehmen.

Post-Covid-Konjunkturmassnahmen der EU bieten Möglichkeiten
Die EU hat insgesamt 800 Milliarden Euro in Aussicht gestellt, um ihre Binnenkonjunktur anzukurbeln. Davon erhalten die elf EU-Mitgliedsstaaten in Mittelosteuropa 85 Milliarden Euro bis Ende 2026. Weitere 9 Milliarden Euro wurden für die Länder des Westbalkans gesprochen.

Ziel dieser finanziellen Unterstützung ist es, die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzumildern und diese Volkswirtschaften und Gesellschaften nachhaltiger und widerstandsfähiger zu machen. Es gibt drei Schwerpunktthemen, in denen die Länder neue Projekte aufgleisen:

  • Stärkung der wirtschaftlichen und sozialen Widerstandsfähigkeit
  • Unterstützung des digitalen Wandels
  • Unterstützung des grünen Wandels

In allen drei Bereichen gibt es unzählige Marktchancen für Schweizer Exporteure (von neuer Zug-Infrastruktur in Slowenien über Speicherprojekte für erneuerbare Energie in Estland bis hin zum Bau einer neuen Onkologie-Klinik in der Tschechischen Republik, um nur drei von Hunderten von Projekten zu erwähnen). Alle Projekte sollen ihren Beitrag dazu leisten, dass die CEE-Länder noch wettbewerbsfähiger und auch nachhaltiger werden. Und das wird wiederum den langfristigen Trend unterstützen, dass die Länder Mittelosteuropas weiter überdurchschnittlich wachsen und attraktiv für Schweizer Exporteure bleiben werden. «Als Handelskammer Schweiz-Mittelosteuropa freut uns das sehr. Wir sind sehr motiviert, die vielfältigen Beziehungen der Schweiz zu den CEE-Ländern, z. B. in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft, weiter zusammen mit unseren Mitgliedern, Kunden und Partnern zu verbessern».

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