Eine starke Weltwirtschaft stärkt den Euro

Der Euro ist ein einzigartiges Konstrukt mit sehr eigenem Charakter. Wie jeder prägnante Charakter hat er kontroverse Eigenschaften. Er hat Charakterzüge, die ihn stärken, und solche, die ihn schwächen. Positiv schlägt die Wirtschaftsleistung zu Buche. Viele Regionen sind sehr solide, sodass sich das Währungsgebiet insgesamt sehr gut selbst finanzieren kann – auch in Krisenzeiten. Europa ist nicht wie die USA, Grossbritannien oder andere Defizitländer auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen. Ebenfalls positiv zu Buche schlägt, dass die Inflation seit Gründung der Währungsunion immer unter Kontrolle war und kaum Zweifel bestehen, dass es auch so bleibt.

Und trotzdem hat der Euro Schwachpunkte, die teilweise sogar in der Geschichte des Kontinents begraben sind. Über Jahrhunderte war Europa von Kriegen geprägt, ohne dass sich eine zentrale Regierung längerfristig durchsetzen konnte, weshalb es nie zu einer Einheit wurde. Keine gemeinsame Sprache, Religion oder Kultur verbindet den Kontinent in dem Masse, wie es in den Grossmächten USA, China oder auch Japan und Russland der Fall ist. Sogar heute noch, nach der Gründung der Schicksalsgemeinschaft Eurozone, wird an der Schlagkraft der zentralen Regierung zu Recht gezweifelt. Währungspolitisch betrachtet, hängen die Hoffnungen auf Stabilität in der Eurozone an der gemeinsamen Zentralbank. Ihre Politik ist zwar nicht ohne Zweifel, aber immerhin auf die Gemeinschaft und nicht auf Partikularinteressen ausgerichtet.

Was haben diese eher philosophischen Überlegungen mit der Währung, dem Euro, zu tun? Unseres Erachtens sehr viel. Wer den Euro verstehen will, muss den Unterschied zwischen dem Euro und dem US-Dollar, dem Yen, dem Renminbi und anderen grossen Währungen verstehen. Der US-Dollar und vielleicht auch der Renminbi sind von der Hegemonialmacht ihrer Regierungen gestärkt. Die Rolle als Leitwährung des US-Dollars wird aus diversen Gründen nicht angezweifelt, darunter die militärische Stärke.

Europa strebt diesen Hegemonial-Bonus nicht an und würde ihn in seiner heutigen Form auch nie erreichen. Wir denken, dass der Euro deshalb trotz hervorragender Fundamentaldaten über Jahrzehnte nie richtig aufgewertet hat. Vielen Investoren fehlt die Überzeugung, dass dort das Geld auch in schwierigen Zeiten sicher parkiert ist. Die Eurozone und die Europäische Zentralbank sind einem Spiel interner Machtkämpfe ausgesetzt. Über Jahrzehnte dienten diese Auseinandersetzungen nur dem Zusammenhalt der Region, ohne Highlights der Weiterentwicklung. Dennoch möchten wir den Euro nicht existenziell hinterfragen. Er ist und bleibt die zweitwichtigste Währung für den Handel und die Finanzmärkte. Die Krisenbewältigung der letzten beiden Jahrzehnte hat gezeigt, dass der Euro gebaut wurde, um zu bleiben, und wir sehen keinen Grund für ein Auseinanderbrechen. Doch angesichts der internen Auseinandersetzungen und der schwachen Zentralregierung müssen wir feststellen, dass der Euro für eine Aufwertung eine starke Weltwirtschaft braucht. Die Exportmaschine muss brummen, damit genügend Geld zum Verteilen vorhanden ist. Je mehr Geld das Wachstum in die Staatskassen spült, desto weniger wird über potenzielle Schwierigkeiten diskutiert und desto besser wertet die Gemeinschaftswährung auf.

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